kultur 2010 - das informationsportal zur kulturhauptstadt europas 2010
 
       
   
   
 
   Basis- und Hintergrund-Informationen zur Kulturhauptstadt Europas
 
   
     Die Initiative der Kulturstädte Europas geht auf die griechische Kultusministerin Melina Mercouri zurück und wurde 1985 auf intergouvernementaler Ebene vom Kulturministerrat ins Leben gerufen, der seitdem jährlich mindestens eine Kulturstadt Europas ausgerufen hat. In Deutschland hatte zuletzt 1999 Weimar diesen Titel. Die Kulturstadt Europas im Jahr 2003 war die österreichische Stadt Graz. Im Jahr 2004 waren Genua und Lille die Kulturhauptstädte Europas bestimmt worden. Im Jahr 2005 war die irische Stadt Cork an der Reihe. 2006 ist die griechische Hafenstadt Patras die Kulturhauptstadt Europas.
   
     Unter deutscher Präsidentschaft wurde - gestützt auf Artikel 151 EGV - das Auswahlverfahren in ein gemeinschaftliches umgewandelt und gleichzeitig die Kulturstadt Europas in Kulturhauptstadt Europas umbenannt. Dieser Ratsbeschluss vom 28. Mai 1999 tritt ab 2005 in Kraft.
   
    

Die EU-Evaluierungskriterien zur Bewerbung für künftige Kulturhauptstädte Europas. Auch die deutschen Bewerberstädte müssen ihre Bewerbungen an diesen Kriterien ausrichten und die Expertenjury sollte die Bewerbungen nach diesen Kriterien beurteilen:

  • Herausstellung der gemeinsamen künstlerischen Strömungen und Stilrichtungen, bei deren Entstehung die betreffende Stadt eine besondere Rolle gespielt hat
  • Durchführung künstlerischer Darbietungen (Musik, Tanz, bildende Kunst, Film usw.) sowie Verbesserung der Kulturförderung und des Kulturmanagements
  • Vertrautmachung der europäischen Öffentlichkeit mit Persönlichkeiten und Ereignissen, die Geschichte und Kultur der Stadt geprägt haben
  • Durchführung spezifischer Aktivitäten zur Förderung von Innovationen im Kunstbereich und zur Schaffung neuer Formen der kulturellen Aktion und des kulturellen Dialogs
  • Durchführung von Maßnahmen zur Förderung der Zugänglichkeit und der Sensibilisierung in Bezug auf das bewegliche und unbewegliche Kulturgut, sowie das stadtspezifische kulturelle Schaffen
  • Durchführung von speziellen Kulturprojekten mit dem Ziel, Jugendlichen die Kunst näher zu bringen
  • Durchführung von speziellen Kulturprojekten zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts
  • Bekanntmachung der vorgesehenen Veranstaltungen durch multimediale und audiovisuelle Mittel und in mehreren Sprachen
  • Notwendigkeit der Entwicklung eines hochwertigen und innovativen Kulturtourismus unter angemessener Berücksichtigung der besonderen Aufgabe, das Kulturgut auf Dauer zu erhalten und dabei die Wünsche der Besucher mit denen der örtlichen Bevölkerung in Einklang zu bringen
  • Durchführung von Projekten zur Förderung der Einbeziehung des architektonischen Erbes in neue Strategien zur Stadtentwicklung
  • Gemeinsame Durchführung von Initiativen zur Förderung des Dialogs zwischen den europäischen Kulturen und den Kulturen in anderen Teilen der Welt
   
   

Grundlage des neuen Verfahrens ist ein Rotationsprinzip, in dem einzelne EU-Mitgliedstaaten für ein bestimmtes Jahr ein oder mehrere Kulturhauptstädte vorschlagen können, ggfs. mit Angaben einer Präferenz.

   
   

Eine europäische, möglichst unabhängige, 7-köpfige Expertenkommission begutachtet die Kandidaturen, die von der Kommission jährlich neu zusammengestellt werden. Für diese Jury werden zwei Mitglieder vom Europäischen Parlament, zwei vom Rat, zwei von der Kommission und ein Mitglied vom Ausschuss der Regionen (AdR) benannt. Die Jury gibt eine an das Europäischen Parlament, den Rat und die Kommission zu richtende Empfehlung ab. Das Europäischen Parlament kann innerhalb einer Frist von 3 Monaten nach Erhalt dieses Berichtes über die Bewerbung eine Stellungnahme abgeben. Anschließend legt die Kommission dem Rat ihre Empfehlung vor. Die Nominierung durch den Rat soll möglichst vier Jahre vor dem Ereignis erfolgen.

Die Nominierung der EU-Jury für 2010 erfolgte im Winter 2005. Der siebenköpfigen EU-Jury gehören unter anderem der englische Medienmanager Sir Jeremy Isaacs und der Luxemburger Schriftsteller Claude Frisoni an.

Die Entscheidung für die Kulturhauptstadt Europas 2010 wird nach einer Jury-Sitzung Ende März / Anfang April 2006 erwartet. Diese Jury-Entscheidung muß dann noch von den EU-Gremien offiziell bestätigt werden. Davon kann jedoch mit Gewissheit ausgegangen werden.

   
   

Deutschland konnte für das Jahr 2010 eine oder mehrere Städte vorschlagen. Die Auswahl der innerstaatlichen Städtekandidaturen in Deutschland erfolgte nach einem zwischen dem Bundesrat (Beschluss des Ständigen Beirats des Bundesrates vom 08. Dezember 1999), der Kultusministerkonferenz und dem Auswärtigen Amt einvernehmlich festgelegten Verfahren.

Der Deutsche Städtetag hatte Ende 2000 seine Mitglieder über dieses Auswahlverfahren unterrichtet. Die deutschen Bewerbungen haben bis Ende des 1. Quartals 2004 bei den Kulturressorts der Länder vorgelegen und wurden bis zum Ende des 2. Quartals 2004 an das Auswärtige Amt weitergeleitet.

Zu diesem Anlass fand am 2. Juli 2004 im Auswärtigen Amt eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zur Übergabe der Bewerbungsunterlagen für die "Kulturhauptstadt Europas 2010" an Staatsministerin Müller im Beisein der Oberbürgermeister/Bürgermeister der zehn deutschen Bewerberstädte sowie der Kulturminister der jeweiligen Länder statt.

Im 3. Quartal 2004 übermittelte das Auswärtige Amt die Bewerbungen an den Bundesrat, der die KMK (Kultusministerkonferenz) mit der Nominierung einer deutschen Expertenjury beauftragte. Diese Jury hat ihre Entscheidung am 10. März 2005 bekannt gegeben. Die KMK hat diese Jury-Empfehlungen unverändert noch am 10. März 2005 an den Bundesrat übergeben.

Der Bundesrat hat zum Ende des 2. Quartals 2005 dazu Stellung genommen und übernahm die Entscheidung der bundesdeutschen Jury zugunsten der beiden verbleibenden Bewerberstädte Essen/Ruhrgebiet und Görlitz.

   
    

Im November 2004 hat die Kultusministerkonferenz (KMK) in Zusammenarbeit mit dem Bundesrat und dem Auswärtigen Amt eine deutsche Expertenjury berufen. Diese Jury tagte am 8. Dezember 2004 zum ersten Mal in Berlin und besuchte im Januar und Februar 2005 alle deutschen Bewerberstädte. In einer abschließenden Jury-Sitzung am 28. Februar 2005 wählte die deutsche Jury aus den 10 Bewerberstädten die zwei Städte Essen und Görlitz aus und übergab diese Empfehlung an die Jury. Die Bekanntgabe der Jury-Entscheidung erfolgte am Abend des 10. März 2005 im Rahmen der KMK-Pressekonferenz in Jüdischen Museum in Berlin.

Noch während der laufenden Pressekonferenz am 10. März 2005 überreichte die Präsidentin der KMK (Kultusministerkonferenz), Frau Prof. Dr. Johanna Wanka, die Jury-Empfehlungen an den Direktor des Bundesrates, Herrn Dirk Brouër.

Der Bundesrat hat dann erwartungsgemäß im 2. Quartal 2005 die Empfehlung der Jury akzeptiert und bestätigt. Die beiden Bewerberstädte Essen und Görlitz wurden vom Bundesrat dem Auswärtigen Amt gemeldet.

Das deutsche Votum wurde im dritten Quartal 2005 vom Auswärtigen Amt an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission weitergeleitet.

Die endgültige Nominierung von Essen und dem Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Europas 2010 durch die EU-Jury erfolgte im Frühjahr 2006.


Die Mitglieder der deutschen Jury waren:

Prof. Werner Durth
Prof. für Theorie und Geschichte der Architektur an der TU Darmstadt, Soziologe, freier Architekt und Stadtplaner, renommierter internationaler Architekturtheoretiker; Träger des Fritz-Schumacher-Preises der Alfred Toepfer Stiftung. Durth publizierte erfolgreiche und wegweisende Werke, u.a. "Die Inszenierung der Alltagswelt", "Von der Architektur - Zur Stadtdebatte", geb. 1949 im Kreis Waldeck, seit 2003 ist er Präsidiumsmitglied des Konvents Baukultur.

György Konrad
ungar. Schriftsteller, Soziologe und ehem. Präsident der Akademie der Künste, lebt und arbeitet in Budapest, geb. 1933 in Debrecen. Sein Roman-Debüt "Der Besucher" machte ihn international bekannt. 1985, nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen, veröffentlichte er den viel beachteten Essayband "Antipolitik – Mitteleuropäische Meditationen". Konrád war von 1990 bis 1993 Präsident des Internationalen PEN-Clubs, 1991 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Waltraud Luschny
stellvertr. Chefredakteurin des deutsch-französisischen Kulturkanals ARTE (seit 2001), sie leitete vorher sechs Jahre lang das NDR-Studios Oldenburg.

Adolf Muschg
schweiz. Schriftsteller und Präsident der Akademie der Künste, Muschg erhielt Anfang Oktober 2004 den Deutschen Verdienstorden für "überragende Verdienste um die deutsche Nachkriegsliteratur", geb. 1934 in Zollikon (Kanton Zürich). Er war Gymnasiallehrer und Professor für Deutsche Sprache und Literatur in Zürich. Als Schriftsteller trat er unter anderem mit den Romanen "Albissers Grund" (1974) und "Der Rote Ritter" (1993) hervor. Auch durch die beiden Japan-Bücher "Nur ausziehen wollte sie sich nicht" (1995) und "Die Insel, die Kolumbus nicht gefunden hat" (1995) machte er auf sich aufmerksam.

Isabel Pfeiffer-Poensgen
Frau Pfeiffer-Poensgen ist die Koordinatorin und Sprecherin der deutschen Expertenjury.
Seit November 2004 Vorsitzende und Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, 1954 in Aachen geboren. Von 1989 bis 1998 war die Juristin Kanzlerin der Musikhochschule Köln, anschließend fünfeinhalb Jahre lang Beigeordnete / Kulturdezernentin für Kultur und Soziales in Aachen.

Prof. Dr. Wieland Schmied
Bis Juli 2004 war er Präsident der Bayrischen Akademie der schönen Künste in München und Professor für Kunstgeschichte in München. Autor von Gedichten und von Essays zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts; österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik. Jahrzehntelang hat er sich mit Fragen der bildenden Kunst wie der Literatur beschäftigt, schrieb über den italienischen Maler Giorgio de Chirico wie über den amerikanischen Dichter Ezra Pound. Prof. Schmied lebt in Österreich, geb. 1929 in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Walter Siebel
Von 1989 bis 1995 wissenschaftlicher Direktor der internationalen Bauausstellung Emscher-Park Gelsenkirchen, Universitäts-Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Autor des Werkes "Die europäische Stadt", Beirat des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, geboren 1938 in Bonn.

   
     Die deutsche Jury hat bei Bekanntgabe ihrer Entscheidung für die deutsche Kulturhauptstadt Europas 2010 eine ausführliche Begründung vorgelegt. Diese Jury-Empfehlungen finden Sie hier im Original.
   
    

Es war davon auszugehen, dass nach einem Beschluss (April 2004) des EU-Parlaments Deutschland für das Jahr 2010 mehr als eine Bewerberstadt nach Brüssel meldet. Das EU-Parlement hatte empfohlen, bei mehr als zwei Bewerberstädten in einem Land, mindestens zwei Städte nach Brüssel gemeldet werden sollten. Die deutsche Jury hat diesen EU-Beschluss berücksichtigt und die beiden deutschen Städte Essen und Görlitz nominiert. Das Auswärtige Amt hat diese beiden Städte offiziell nach Brüssel gemeldet.

   
     Angesichts der EU-Erweiterung um 10 neue Beitrittsstaaten ging es dem EU-Parlament darum, den künftigen Mitgliedstaaten in naher Zukunft ebenfalls die Möglichkeit zu geben, im Rahmen der Veranstaltung „Kulturhauptstadt Europas“ Städte zu benennen, ohne die für die gegenwärtigen Mitgliedstaaten vorgesehene Reihenfolge umzustoßen, so dass ab 2009 bis zum Ende dieser Gemeinschaftsaktion jährlich zwei Städte in den Mitgliedstaaten ausgewählt werden können. Das EU-Parlament hat daher beschlossen, dass ab 2009 eine Stadt aus jeweils einem neuen EU-Beitrittsland ebenfalls eine Kulturhauptstadt Europas stellt. Das EU-Parlament hat sich auf die Reihenfolge bereits verbindlich festgelegt. So stellt im Jahr 2009 neben Österreich das neue Beitrittsland Litauen eine Kulturhauptstadt Europas und im Jahr 2010 wird es neben Deutschland dann auch Ungarn sein.
   
  In dem festgelegten Turnus können Städte aus den Mitgliedstaaten zur
Kulturhauptstadt Europas erklärt werden. Bis einschließlich 2008 wird eine Stadt aus dem jeweils aufgeführten Mitgliedstaat ausgewählt. Ab 2009 wird eine Stadt aus jedem der jeweils aufgeführten Mitgliedstaaten ausgewählt. Die vom EU-Parlement vorgesehene zeitliche Abfolge könnte von den betreffenden Mitgliedstaaten einvernehmlich geändert werden. Jeder Mitgliedstaat teilt dem Europäischen Parlament, dem Rat, der Kommission und dem Ausschuss der Regionen gemäß dieser zeitlichen Abfolge die Benennung einer oder mehrerer Städte mit. Diese Mitteilung erfolgt spätestens vier Jahre vor Beginn der Veranstaltung. Gleichzeitig wird von dem betreffenden Mitgliedstaat eine etwaige Empfehlung vorgelegt.
 
    info (at) kultur2010.de